Ev.-luth. Kirchengemeinde
Walkenried

St. Maria und Martini

Ökumene

Dechant Raymund Schwingel

Unserer Kirchengemeinde liegt die Ökumene sehr am Herzen. An vielen Stellen im (Kirchen-)Jahr feiern wir ökumenische Gottesdienste: Pfingstmontag, Einschulung, Tag der Deutschen Einheit, Martini, Reformationstag, Allerheiligen, Heiligabend...

Auch wenn wir in den Kirchen noch nicht soweit sind, die Einheit zu leben, die dem Evangelium gemäß wäre, so können wir uns doch mit vielen kleinen Schritten aufeinander zu bewegen.
Z.B. konnte Dechant Raymund Schwingel bei der Neueinweihung des Kapitelsaales nicht zum Heiligen Abendmahl gehen - aber er konnte uns den Wein stiften, mit dem wir das Abendmahl feierten!
Wir können die Einheit nicht erzwingen - aber auf das jeweils Fremde zugehen, suchen zu verstehen...

Als ökumenischen Gruß veröffentlichen wir hier darum:
 

Im Interview: Dechant Raymund Schwingel

Pfarrer Raymund Schwingel wurde am 17. April 2005 als Dechant des neugebildeten Dekanates Nörten-Osterode eingeführt. Aus Diesem Anlass führten wir für unseren Gemeindebrief folgendes Interview:

Lieber Raymund, welche neuen Aufgaben erwarten Dich mit dem neuen Amt?

Der Dechant bei uns hat ähnliche Aufgaben wie der Propst oder Superintendent bei Euch, also vor allem Visitationen in den Gemeinden, Begleitung der Haupt- und Ehrenamtlichen, sowie Schlichtungsinstanz bei Konfliktfällen.
In unserem großen Dekanat, das nun von Walkenried bis Uslar reicht (70 km Entfernung), heißt das für mich: Viele Fahrten im Auto, viele Sitzungen außerhalb von Bad Sachsa und Walkenried. Darunter leiden wird sicherlich meine eigene Gemeinde, die nun auf ihren Pfarrer öfter verzichten muss. Eine Frau aus Osterode brachte es auf den Punkt: „Herr Dechant, Sie sind nun der Pfarrer des Dekanates!“

 Du wirst auch weiter Pfarrer Deiner Gemeinde sein. Was macht Dir in Deinem Beruf besonders Freude?
 
Die schönsten Aufgaben als Pfarrer sind für mich die Feiern der Gottesdienste, die liturgische und menschliche Begleitung „von der Wiege bis zur Bahre“, die regelmäßigen Krankenbesuche mit Austeilung der hl. Kommunion – und die Lebens- und Sterbebegleitung im konkreten Einzelfall. Für das Letztere lasse ich alles Liegen uns Stehen. Hier nehme ich mir Zeit, auch wenn ich keine habe! 

Welche Hoffnungen und Möglichkeiten siehst Du für die Ökumene in den nächsten Jahren?

Das schnelle Tempo der Konzilszeit ist vorbei. Die Kirchen besinnen sich wieder auf ihr eignes, unverzichtbares Erbe. Das ist auch gut so, weil wir in der Vergangenheit meinten, viele gute Traditionen über Bord werfen zu können. Es ist höchste Zeit wieder zu fragen: „Was ist katholisch?“, „Was ist evangelisch?“, „Was ist orthodox?“ Nur wenn wir unsere eigene Geschichte kennen und lieben, sind wir zu einem aufrichtigen Dialog fähig.
Die Einheit auf dem „kleinsten gemeinsamen Nenner“ ist keine gute Lösung, weil da die konfessionellen Reichtümer wegfallen. Es liegt also noch eine Menge Arbeit, Gebet, Leiden und Dialog vor uns, bevor wir im umfassenden Sinn des Wortes miteinander „kommunizieren“ können!
 
Was schätzt Du besonders an der evangelischen Kirche?

An der evangelischen Kirche schätze ich die Verwurzelung in der biblischen Tradition, die Freiheit geistiger Auseinandersetzung und den unkomplizierten Umgang mit der Institution Kirche. Das hat aber auch Nachteile: Die Verflachung grundsätzlicher Glaubensinhalte und die Auszehrung geistlichen Lebens sind dann immer mit im Gepäck. Hier müssen wir als Christen gemeinsam wachsam sein, was Gott uns sagen will – und wie wir der Herausforderung gegenüber der Gesellschaft unserer Zeit gerecht werden. Da geht es nicht nur um einzelne Reformen, sondern hier geht es ums Ganze:  Die Botschaft des Evangeliums herüberzubringen in einer Welt, die ohne Gott auszukommen meint.

Mit Dechant Raymund Schwingel sprach Pfarrer Heiner Reinhard.